Die Flut.
16 May
“Wir dürsten nach Kommunikation, doch ertrinken in Information”
Ist das so? Fehlt es uns an lebendiger Kommunikation während wir in einer Unmenge an Information untergehen? Erschlägt uns nicht viel mehr die Kommunikationsvielfalt während essenzielle Information an uns vorüber zieht?
Die Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren feiert in den Untiefen des Social Web wohl einen seiner größten Erfolge. Schnelllebigkeit par excellence. Wer immer reagiert, dem bleibt wenig Zeit, zu agieren. Auch unsere Arbeitswelt findet sich häufig einem Reagieren statt Agieren gegenüber. Vielfältige ToDos zwingen uns zu springen, anstatt uns auf Weniges zu konzentrieren.
Fehlende Aufmerksamkeit macht sich auch in Dialogen bemerkbar, Gesprächspartner wechseln blitzschnell zu neuen Themen; gehen nicht auf Argumente des Gegenübers ein, unterbrechen Dritte unbemerkt oder schweifen Gedanklich vollkommen ab. Leidenschaftlicher Gedankenaustausch, gegenseitiges Voranbringen, Konzentration und Achtsamkeit ist etwas anderes!
Achtsamkeit? Schon die fernöstliche Lehre spricht von ihrer Wichtigkeit. Sich in jeder Situation bewusst sein, wo man ist und was man tut. Auch Schulz von Thun postulierte “Willst du ein guter (Gesprächs-)Partner sein, dann horch zuerst in dich selbst hinein.” Es geht also darum, Inne zu halten. Bewusst zu erkennen, was man wann warum und wie tut. Kein einfaches Unterfangen, zweifellos, stetige Übung ist anzuraten. Achtsamkeit kann trainiert werden [und: sollte es auch]. Sie wird häufig falsch interpretiert; es geht nicht darum, sich in andere Menschen hineinzufühlen, Rücksicht zu nehmen … – sonderden Mome nt und sich zu erkennen und Wertschätzung dafür aufzubringen.
Informations- und Kommunikations-Flut
Wir sehen uns einer unglaublichen Herausforderung gegenüber. Ständig prasseln von allen Seiten Information und Kommunikation auf uns ein. Wer nicht irre werden will, sollte sich seine Kapazitäten gut einteilen. Konzentration aufs Wesentliche? Immer wieder Inne halten. Hinsehen, fühlen, erkennen, entscheiden – für eine Sache.
Inzwischen hat kurzweilige, oberflächliche (natürlich auch fachlich motivierte) Kommunikation über Social Tools starkt zugenommen. Der Austausch mit Freunden, Bekannten und Kollegen oder Geschäftspartner scheint einfacher, rascher und unkomplizierter zu erfolgen. Trügt der Schein hier nicht? Wird die Kommunikation nicht eher komplexer und der Informationsgehalt geringer sowie vielfältiger?
Ich ertrinke noch nicht. Ich dürste nach beidem – einer sinnvollen, ausgerichteten Kommunikation und klar abgegrenzter Information.
Ich bin zugegeben noch nicht überzeugt, dass gerade die permanente Flut via Facebook, Twitter & Co. über zusätzliche Tools eingedämmt oder gut gefiltert werden kann. Hier fehlt es vielen noch an der nötigen Mediennutzungskompetenz. Sinnvoll ist jedenfalls ein temporäres Abstellen aller Social Media Tools, um Konzentriert an anderen Dingen arbeiten zu können – wichtige Zwischenrufe erreicht uns auch auf anderen Wegen. Wer eine bessere Lösung hat, soll das doch bitte als Kommentar Kund tun. Ich bin gespannt.
Und was die drängenden Punkte unserer ToDo-Liste(n) angeht: einfach weghören! Auch das lästige Anklopfen von Kollegen kann einfach ignoriert werden. Alles zu seiner Zeit, sobald die nötige Aufmerksamkeit vorhanden ist.
Wir müssen [wieder] lernen,
Kommunikation und Information
gebündelt und zielgerichtet einzusetzen.

hi nicole,
ich denke, wenn man socialmedia wie twitter und facebook nicht als “ersatz” für andere kommunikationsformen und -medien sieht, so kann man sich immer noch einen persönlichen informations- und kommunikationsmix zurechtschneidern (und ständig adaptieren), der auch die bedürfnisse erfüllt, die du benennst und die in diesen virtuellen universen etwas in den hintergrund geraten.
nämlich aufmerksame, konzentrierte informationsaufnahme, die mit eigenen erfahrungen verknüpft zu einem wissensgewinn führt. hier ist oft das gute alte buch, das man ohne den laptop nebenbei liest, wieder gefragt. ein notizblock nebenbei, oder ein (leucht)stift zum notizen machen. denn hier verführt der hypertext oft zur abschweife. und das begeisterte und deshalb unmittelbare “informations- und erkenntnis-sharing” des gerade aufgenommen auf twitter und facebook ebenso.
und natürlich kommunikation, die im achtsamen zuhören des gegenübers beginnt. die entschleunigt. die auch zwischen den worten und gesten passiert. das geht halt schlecht auf twitter und im chatroom.
wie du richtig sagst, es braucht mediennutzungskompetenz. die müssen wir lernen. darüber sollte man öfters reden. auf allen kanälen ;-)
lg
stefan
Ich denke, viel wichtiger als einfach “Abstellen” wäre, sich zu entscheiden, was man will und wieviel davon: wann man sich welchem Medium aussetzt, und mit welchem Ziel. Damit kann man das jeweilige Medium genau nach der benötigten Information absuchen. Denn der Fluch unserer Zeit ist nicht die Menge der verfügbaren Information, und auch nicht die allgegenwärtige Erreichbarkeit, sondern die Illusion der (Entscheidungs-)Freiheit – ein Wunschbild, welches zu seiner eigenen Erhaltung verlangt, sich alle Möglichkeiten offen zu halten und keine Entscheidungen zu treffen, die diese einschränken könnten.