Die Basis: Unternehmer-Innen

2 May

Aufgrund der spannenden Resonanz auf meinen letzten Beitrag, kann ich nicht anders als das Thema fortzuführen. Wie in den Artikeln “Die Mischung macht’s aus” und “Entrepreneurship. Leidenschaft in ihrer reinsten Form” geschildert, sehe ich die Grundlage eines jeden unternehmerischen Erfolges in der Leidenschaft zum Thema, der Liebe im Tun und im Agieren in der “richtigen” Rolle, welche jeder für sich erkennen und akzeptieren muss [diese kann sich im Laufe eines Lebens mehrmals ändern - danke an Franz Kühmayer für Deine Ausführung].

Marcus Ambrosch hat meine erwähnten Rollenbilder* (Fachkraft, Manager, Entrepreneur) zum Anlass genommen und sich Gedanken rund um die Frage gemacht, wo denn nun Unternehmergeist tatsächlich anzutreffen ist.

Unternehmergeist

Sein Fazit – Unternehmergeist kann in allen Rollen entdeckt werden. Er erweiterte die 3 Rollen um den Unternehmer, welcher im Gegensatz zum Manager (welcher sich mit Fachproblematiken beschäftigt) auf betriebswirt- schaftlicher Ebene agiert und selbst ein Unternehmen betreibt. Zustimmung. Warum ich dann diesen vierten Typus nicht anführte? Nun, ich hatte diesen in meiner Auflistung ausgespart, da mir die grundsätzliche Trennung der verschiedenen Rollen wichtig erschien und für mich der Unternehmerbegriff etwas schwammiger ist, als die anderen 3. Aber hier nun meine Definition und ein Einblick in meine Realität im Unternehmen:

Unternehmerin

Der Unternehmer ist bereit ein wirtschaftliches und privates Risiko einzugehen, er ist von einer Geschäftsidee begeistert und sieht sie als zukunftsträchtig. Er investiert Vermögen, Zeit, seinen Ruf und Familie/Freunde [denn diese müssen seine Entscheidung mittragen]. Seine Verantwortung ist umfassend, Wille und Ausdauer ebenso.

Um diese vierte Rolle erweitert, muss ich mein “Outing” als der Managerkaste angehörig, auf die der Unternehmer erweitern. Ich habe mein Unternehmen, Mehrblick, vor genau 3 Jahren gemeinsam mit Hannes Offenbacher gegründet. Uns war eines klar – Jetzt oder Nie (!) Beide hatten wir damals ein lukratives Jobangebot – Sicherheit, Aufstiegs- chancen, Verständnis & Beifall von Freunden und Familie lockten nur kurz. Selbstverwirklichung, die Welt verändern, etwas eigenes Schaffen, selbstbestimmtes Gestalten waren die schlagenden Argumente.

Aus weiteren Diskussionen ging hervor, dass viele Unternehmer alle 3 Rollen wahrnehmen (müssen), was häufig in Überlastung, Unzufriedenheit oder Scheitern endet.  Als Gründer (Unternehmer) sieht man sich oft der Herausforderung gegenüber, Fachkraft/Fachkräfte und Manager zugleich sein zu müssen und keinen Raum mehr für die Entrepreneur-Rolle zu haben. Am Anfang stand die geniale Idee, gefolgt von endloser Detailarbeit.

Gut erkannt – ich spreche wieder von 3 Rollen (Fachkraft, Manager, Entrepreneur). Diese können in Ihrer Rolle auch Unternehmer sein. Für mich stellt der Typus “Unternehmer” ein hybrides Gebilde dar, er ist quasi die Basis, in der die 3 Rollen verankert sein können - aber nicht müssen.

Wie ua. Prof.Dr. Faltin verdeutlicht, ist alles selbst zu machen, ein gewaltiger Fehler. Man arbeitet nur mehr IM Unternehmen, anstatt AM Unternehmen. Sein Tipp: “Komponenten zukaufen (Vertrieb, Marketing, Buchhaltung, Grafiker etc.pp.). Soll heißen: alles auslagern was geht. Alles. Von Beginn an. Kann man sich das nicht leisten, ist man am falschen Weg.”

Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Selbstverständlich sollte man darauf achten, nicht alles selbst machen zu müssen und  Zeit für Reflexion und Weiterentwicklung zu haben. Daher mein Standpunkt: Niemals alleine gründen. Arbeitsteilung, Reibungsfläche und interne Feedbackmöglichkeiten sind grundlegend.

Hannes und ich sind beide Unternehmer-in. Managerin und Entrepreneur. Fachkräfte holen wir uns ins jeweilige Projektteam [entwickeln diese, wenn sie es wünschen, zu Mit-Unternehmern - dauert, ist aber lohnend; für beide Seiten]. Inzwischen haben wir unsere Scheu abgelegt und teilen Ideen auch schon im Anfangsstadium mit externen Partnern. Sehr zu empfehlen. Neben einem reifen Team sollte man auch auf vertrauenswürdige Partner-Unternehmen auf gleicher Augenhöhe achten.

Das eigentliche Problem
Im Gegensatz zu Dr. Faltins “falschem Weg” sehe ich eine größere Problematik in der Beibehaltung eines Jobs (Angestelltenverhältnisses, Werkverträge etc.), obwohl man eigentlich Unternehmer sein sollte. Dieses starke Sicherheitsbedürfnis [oder ist es etwas anderes?] lässt zu wenig Zeit, sich seiner neuen Rolle ausreichend zu widmen. Wer nur Unternehmer spielen will, sollte es für den Moment lassen und auf einen besseren warten.

Ansonsten: Los! Sucht Euch Mitstreiter und Mentoren! Fans und Kritiker! Holt Feedback ein und startet einen Probelauf! Machts so viele Fehler als möglich – und lernt daraus. Keine Scheu nachzufragen oder ein Projekt in den Sand zu setzen – das passiert jedem einmal, nur hat nicht jeder die Größe dazu zu stehen. Freu mich, von Euch zu hören.

*Ausgangspunkt meiner 3 Rollenbilder – ua. “Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer” von Stefan Merath

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