Die Mischung macht’s aus.
29 Apr
Der Entrepreneur liebt das Spiel.
Der Manager lebt das Große-Ganze.
Die Fachkraft geht auf im zu lösenden Problem.
Die drei Rollen.
In der Literatur spricht man häufig von den drei idealen Rollenbildern innerhalb eines Unternehmens – dem Unternehmer [ich spreche vom Entrepreneur], dem Manager und von der Fachkraft. Es wird betont, dass es für eine erfolgreiche Unternehmung aller drei bedarf.
Das kann ich persönlich nur bestätigen, auch in meinem Unternehmen setzen wir Projektteams in dieser Konstellation zusammen. Für ein starkes Team braucht es diese Mischung, nur so lassen sich idealistische Projekte wie unsere umsetzen. Ein buntes, sich ergänzendes Team ist unverzichtbar.
Die Fachkraft zeichnet sich durch spezielles Wissen/Können aus. Ein abgestecktes Aufgabengebiet und das Reagieren auf auftretende Aufgaben [häufig durch Zurufe des Managers/des Unternehmers] bestimmen den Arbeitsalltag. Besonders zufrieden ist die Fachkraft im Schein der Selbständigkeit sowie im chronologischen erfüllen ihrer Aufgaben.
Fachkräfte sind für mich die wahren Meister der Umsetzung, sie sehen das Problem und verbeissen sich daran, bis es gelöst ist. Toll!
Der Manager hingegen verspürt den Drang die Fachkraft zu leiten, den richtigen Weg vorzugeben und Regeln einzuführen [was der Fachkraft in ihrer vermeintlichen Selbständigkeit widerspricht]. Besonders zufrieden ist der Manager über etablierte Systematiken und funktionierende Abläufe.
Manager sind für mich Mutter & Vater zugleich. Hart aber herzlich. Unübertroffen im so wichtigen Überblick, mit einem Auge fürs Detail.
Und der Entrepreneur, ja der liebt es, neue Ideen zu entwickeln, herumzuspinnen und irre Vorhaben zu skizzieren. Verweilt nicht länger als nötig, braucht ständig den Kick des Neuen. Glücklich ist er über inspirierende Reibungsflächen und philosophischen Austausch.
Entrepreneure sind für mich Menschene mit genialen, neuartigen Ideen, die sie mit einer schier endlosen Leichtigkeit in die Welt setzen. Herrlich anzusehen.
Gerne oute ich mich hier als dem Manager-Typus zugehörig. Ich liebe Komplexität, sie zu bündeln und in kleinen Häppchen weiter zu geben. Verhätschel meine Leute, verlange ihnen aber auch einiges ab.
Unterschiedlicher könnten die drei Hauptakteure im Unternehmen wohl nicht sein. Differenzierte Rollenbilder [die verstanden und akzeptiert werden], sind die Grundlage eines unternehmerisch erfolgreichen Teams.
Wichtig: die 3 Typen sind weder absolut, noch gänzlich getrennt. In jedem steckt der Unternehmer, der Manager und auch die Fachkraft – wesentlich ist lediglich die persönliche Ausprägung. Diese gilt es zu [an-] zu erkennen.
Die große Herausforderung.
Betrachtet man die drei Typen im Detail, erkennt man einige Tücken. Erwartungen, Zielsetzungen sowie [oder vor allem] der Weg zur Erreichung differenzieren sehr stark. Grundsätzlich kein Problem. Sind die Rollen klar verteilt, spielt sich das Team mit der Zeit ein und wird stärker.
Interessanter wird es aber dann, wenn die Rollenteilung undifferenziert ist oder sich einzelne in einer “falschen” Rolle sehen. Manager wissen alles besser als die Fachkräfte; Fachkräfte versuchen sich krampfhaft als Entrepreneur und der Entrepreneur plant und strukturiert – was ihm von Natur aus nicht lange liegt.
Was mich beschäftigt.
Weshalb streben zur Zeit so viele danach, sich als Entrepreneur darzustellen [unter Anbetracht, dass sie großartige Manager oder Fachkräfte sind!]? Anstatt Erfolge zu feiern und sich feiern zu lassen, wird versucht ein anderes Bild von sich zu zeichnen. Unauthentisch. Ungefeiert. Unzufrieden. Unausgesprochen.
Ist denn der Druck von Außen so hoch, dass man unbedingt der Komponist [Entrepreneur] sein muss? Ist es nicht genauso erstrebenswert, ein großartiger Dirigent [Manager] zu sein oder unverwechselbar die Erste Geige zu spielen [Fachkraft]? Jeder spricht vom Unternehmertum, als wäre es das einzig Wahre, doch kaum einer sieht kritisch-reflexiv auf die eigenen Möglichkeiten & Stärken.
Anerkennung muss man sich erst selbst geben, bevor man sie von anderen bekommt. Und: Es ist nicht alles Gold was glänzt.
[klingt abgedroschen, ist aber so]
[Am Rande sei erwähnt, dass ich die Vorgehensweise der österr. Politik und des AMS zu tiefst verurteile - wie kann man nur ein Förderprogramm dieser Art umsetzen und zahllose Personen ins vermeintliche Unternehmertum treiben?! Zu diesem Thema wäre aber wohl ein eigener Artikel nötig.]
Letztendlich kann ich nur empfehlen, sich ein buntesTeam zusammen zu stellen – und zwar aus allen drei Typen – denn diese Teams sind richtig stark.
Freue mich auf Diskussion, online wie offline.

Danke Nicole für diesen Beitrag! Hier gleich meine Replik dazu: http://reflectionsresearch.wordpress.com/2010/04/29/unternehmergeist-fuer-alle/
Super. 3 dinge möchte ich ergänzen:
1. Wir brauchen mehr spinner für visionärere ideen
2. Wir brauchen mehr seed kapital, sonst verlassen die entrepreneure europa
3. Die förderungen kannst du vergessen: sie fördern zu spät zu bürokratisch das, was alle verstehen, also nicht innovativ ist