Über Leidenschaft und Selbstorganisation
14 Sep
Kaum gestartet, nahm ich mir auch schon eine Auszeit vom Bloggen. Warum? Weil ich meiner Leidenschaft folgte und mit einer bunten Gruppe für 4 Tage in die Seetaler Alpen fuhr. Und zwar auf die Köhlerhütte, einer Selbstversorger-Hütte auf etwa 1.800 Metern Seehöhe.
Hört sich nach ein paar Tagen herrlicher Entspannung an, klar – als Perfektionist sieht’s allerdings oft anders aus.
Wer mich kennt weiß, dass mir nichts weniger Freude bereitet, als mit Menschen zu arbeiten, die ihrer Leidenschaft nicht folgen, nicht voll und ganz hinter ihrem Projekt stehen und Arbeiten nur erledigen, weil es sich nicht vermeiden lässt.
Wer sein persönliches WOW-Verlangen noch nicht gefunden hat, sollte Tom Peters Projektmanagement lesen.
Was meine persönlichen Ansprüche an Teammitglieder nun mit unserem Aufenthalt auf der Köhlerhütte zu tun haben? Ganz einfach:
Die Gruppe war einfach großartig, jeder fand seine Rolle und nahm diese wie selbstverständlich ein – ob das nun Kochen für 9 Personen, Holz hacken, Geschirr spülen, Feuer machen und am Brennen halten, auf andere Acht geben oder Entscheidungshilfen geben waren. Alles lief wie am Schnürchen, ohne Aufgabenverteilung oder Zwang – jeder kümmerte sich um das, was er/sie am Besten konnte und gerne tat.
Selbstorganisation. Eine der wichtigsten Dinge – besonders in professionellen Teams. Die Tage auf der Köhlerhütte haben mir wieder gezeigt, wie toll es ist mit spannenden Persönlichkeiten gemeinsam ein “Projekt” umzusetzen, in dem jeder seiner Leidenschaft folgt!
Auch modernes Projektmanagement sollte genau in diese Richtung gehen. Perfektioniertes, detailliertes Projektmanagement ist meiner Meinung nach oft deplatziert und überholt. Die Fokussierung von Zielen, Deadlines und Zahlen ist nicht unwesentlich, besonders wichtig ist aber auch der Faktor Mensch.
Meine | ja hochgegriffene | Forderung: holt Euch nur jene ins Team, die
- absolut begeistert von der Idee sind [Commitment];
- ihren Job lieben und gut machen [Leidenschaft] und
- sich ergänzen sowie auf anderen zugehen und wirken können [Komplementarität & Empathie].
Und dann heißt’s: los lassen können und dem Team vertrauen. Ich spreche nicht von Laissez-faire (das funktioniert nur sehr selektiv) – aber von einem selbstregulierendem System, das durch kleine, gezielte Anstöße wunderbar ins Laufen kommt.
Abschließend möchte ich noch Antoine de Saint-Exupery zitieren:
“Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach
dem weiten, endlosen Meer.”

Ich denke Dein Bild von neuem Projektmanagement funktioniert nur in der neuen Wirtschaft, jenseits von Konzernstrukturen wo primär Menschen arbeiten, weil sie Geld für die Miete brauchen und es eben das beste Angebot war.
Eine Frage für die weiteren Beiträge: Selbstorganisation ja, aber braucht es nicht immer einen – wenn auch kleinen – Rahmen bzw. Grundregeln? Vielleicht gibt es Teams, wo man ohne dies auszusprechen, die gleichen Werte Ansichten teilt und es daher so easy-going läuft, aber was ist mit den anderen? (Der Mehrheit?)
gleich direkt in Bezug auf Hannes: Das Wort Selbstorganisation hat einen starken Bezug zur Systemtheorie. Rahmen bedeutet da Systemgrenze. Die wird es immer geben.
Die Frage ist: Wer definiert diese? Im Kontext Unternehmen: Der CEO allein, oder wird sie durch das Engagement, die Fähigkeiten, die Eigenart aller MitarbeiterInnen definiert?
Das macht den Unterschied, oder?
Danke für Eure Beiträge.
@Hannes
Ich kann Dir großteils zustimmen. In der “alten Wirtschaft” wird es um einiges schwieriger sein, neue Denkweisen und innovatives Projektmanagement zu etablieren. Aber ich meine, dass ein Verlangen danach in sehr vielen Bereichen vorhanden ist (wenn auch vielleicht unbewusst).
Ich bin mir nicht sicher, ob gleiche Werte & Ansichten für einen guten Verlauf nötig sind bzw. ob nur in diesen Szenarien ein reibungsloser Ablauf ohne weiteres Zutun möglich ist – können nicht in einem kritischen Team mit differenzierten Sichtweisen – auch bei Selbstorganisation – bessere Ergebnisse erzielt werden? Das setzt natürlichen eine gewisse geistige Reife sowie Empathie voraus.
@Johannes
Was Systemgrenzen und Grundregeln angeht – diese gibt es ohnehin immer (auch unausgesprochen).
Die Frage der Definition ist natürlich eine sehr spannend und eine enorme Herausforderung! Mitarbeiter (und natürlich auch Mitarbeiterinnen – werde das aber nicht immer erwähnen) in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen ist meines Erachtens nach grundlegend, wobei häufig leider unmöglich. Schlagworte: Reflexion | Fähigkeit zum Perspektivenwechsels | Hintergrundwissen – nicht Information ;-) | etc.pp.